Der heilige Ludwig-Maria Grignion von Montfort:

SEIN LEBEN

Ludwig-Maria Grignion von Montfort wurde am 31. Januar 1673 in Montfort-sur-Meu / Bretagne als zweitältestes von 18 Kindern geboren. Über seine Kindheit gibt es nur spärliche Hinweise; als er elf Jahre alt war, schickten die Eltern ihn auf das Jesuitenkolleg St. Thomas Becket in Rennes. Unter dem Einfluss der Jesuiten, denen er sich zeitlebens verbunden wusste, vertiefte sich seine Liebe zu Maria und reifte seine priesterliche Berufung heran. Ab Herbst 1692 finden wir ihn in Paris, wo er als mittelloser Student in die Gemeinschaft des Seminars von Saint-Sulpice aufgenommen wurde. Am 5. Juni 1700 wurde er zum Priester geweiht.

Apostolischer Missionar
Die ersten Jahre seines insgesamt 16-jährigen priesterlichen Wirkens waren eine Kette von Misserfolgen. Er predigte hier und da Volksmissionen, arbeitete längere Zeit in den Armenhäusern in Paris und in Poitiers, wo er zusammen mit der seligen Marie-Luise Trichet einen Frauenorden, die „Töchter der Weisheit“ ins Leben rief. Nirgendwo konnte er auf Dauer bleiben. So beschloss er, sich beim Papst selbst Rat zu holen. Zu Fuß bettelte er sich nach Rom durch. Im Juni 1706 kniete er vor Clemens XI. und trug ihm die Bitte vor, in die Missionen des Fernen Ostens oder Kanadas gesandt zu werden. Der Papst, der in diesem armen, seltsamen Priester außerordentliche Gottesgaben erkannte, lehnte seine Bitte ab. Statt dessen trug er ihm auf, in seine Heimat zurückzukehren und dort die Erneuerung des Taufgelübdes zu predigen. Er verlieh ihm den Titel eines „Apostolischen Missionars“ und empfahl ihm, in allem seinen Bischöfen zu gehorchen; dann werde Gott seine Arbeit segnen.
Von nun an sehen wir Ludwig-Maria nur noch als Missionsprediger, der fast ständig unterwegs war und bis zu seinem frühen Tod annähernd 200 Volksmissionen im Nordwesten Frankreichs durchführte. Sein Lebensstil als armer, umherziehender Prediger, der seine wenigen Habseligkeiten in einem Bündel über der Schulter trug und von Almosen lebte, galt als eines Klerikers unwürdig. Er predigte in Kirchen und Klöstern, Elendsvierteln und Armenhäusern, auf den Straßen und in Kneipen, vor Soldaten und Prostituierten. Er sprach die Sprache seiner Zuhörer, konkret und bildhaft, und knüpfte an ihre Erfahrungen an. Er besaß die Gabe, das Vertrauen und die Herzen der Menschen zu gewinnen.
Damit die Mission nicht nur ein Strohfeuer blieb, ließ er jeden Teilnehmer nach der Erneuerung des Taufgelübdes – dem Ziel- und Höhepunkt jeder Mission – einen „Bundesvertrag mit Gott“ unterschreiben. Er sorgte dafür, dass in jeder Gemeinde Gebetsgruppen gebildet wurden, und lehrte das Rosenkranzgebet. In ihm sah er das beste Mittel, die Wirkung der Mission dauerhaft zu machen. Er verband dieses einfache Gebet mit einer echten Betrachtung der Lebensgeheimnisse Christi und mit der Forderung nach einem ernsthaften christlichen Leben: Gebet und Leben müssen eine Einheit bilden.

Fruchtbare missionarische Arbeit
Seine tiefe Frömmigkeit, sein einfacher, ganz auf die Vorsehung Gottes bauender Lebensstil, der Mut, mit dem er in schwierigen Situationen reagierte, beeindruckten die Menschen. Seine Predigt, die von seiner persönlichen Erfahrung der Liebe Gottes und der mütterlichen Fürsorge Marias geprägt war, führte Tausende zurück zum Glauben. In einer Zeit, in der die Verkündigung eher von einer jansenistischen Strenge bestimmt war, die mit ihren überhöhten Ansprüchen besonders die einfachen Gläubigen mutlos machte, sprach er von Gottes Barmherzigkeit, empfahl sogar die tägliche Kommunion, eine innige Marienverehrung und die völlige Hingabe an Jesus und Maria mit allem, was wir sind und haben.
Stil und Inhalt seiner Predigt und ihr Erfolg schufen ihm nicht nur Freunde. Bischöfe verboten ihm ihre Diözese. Es blieb nicht bei Verleumdungen und Anfeindungen, es gab Anschläge auf sein Leben, man versuchte ihn zu vergiften.
Das alles konnte Ludwig-Maria nicht irre machen. Er war sich gewiss, dass sein Leben ganz in den liebenden Händen Jesu lag oder, wie er selbst es ausgedrückt hätte, dass er „Liebessklave Jesu und Marias“ war, das heißt Sklave im neutestamentlichen Sinn einer völligen Abhängigkeit in Liebe, wie Maria sich „Magd des Herrn“ (Lk 1,38) nennt, und Paulus sich als „Sklave Jesu Christi“ (Röm 1,1) bezeichnet.
In diese völlige Abhängigkeit versenkte er sich immer tiefer hinein. Es war seine Antwort auf die bestürzende Erkenntnis, wie sehr sich der unendlich große Gott in seiner Liebe herablässt und in einer jungen Frau Mensch wird, um die Menschheit zu erlösen. In der vollkommenen Hingabe an Jesus und Maria macht sich Ludwig-Maria in jeder Hinsicht abhängig von der Liebe Gottes. Das war sein Weg zur Vereinigung mit Christus, in der er das einzige Lebensziel des Christen sah. Es war und ist der Weg, den er anderen empfiehlt.

In Verbundenheit mit Jesus und Maria
Die Kraft für seinen rastlosen apostolischen Einsatz erwuchs Ludwig-Maria aus der Gnade der bleibenden Gegenwart Jesu und Marias in seiner Seele, wie er zwei Jahre vor seinem Tod gegenüber einem Freund bekannt hat. Immer wieder nahm er sich die Zeit, sich im Gebet dem Wirken des Geistes zu öffnen. Vorbild und Hilfe war ihm dabei Maria, deren Ja zum Wirken des Geistes er sich immer tiefer zu eigen machte. So wurde er immer mehr in ein lebendiges Abbild Christi umgestaltet.
Verbraucht durch sein unermüdliches Wirken, geschwächt durch seine entbehrungsreiche Lebensweise und die Anschläge auf sein Leben, brach er während der Mission in Saint-Laurent-sur-Sèvre zusammen. Das Thema seiner letzten Predigt war bezeichnend: Er sprach über die Schönheit und die Güte Jesu, der menschgewordenen Weisheit Gottes. Er starb am 28. April 1716, kurz nach seinem 43. Geburtstag. Einige Monate zuvor hatte er in einem Brief an Marie-Luise Trichet geschrieben: „Wenn wir nichts für Gott riskieren, werden wir niemals etwas Großes für ihn tun.“ Ludwig-Maria hat alles riskiert für Gott allein. Sein Mut, seine Kreativität, sein lebendiger Glaube, sein äußerst einfacher Lebensstil, seine Identifikation mit den Armen und Unterdrückten machen ihn zu einem Vorbild für die Christen aller Zeiten. Papst Pius XII. hat ihn am 20. Juli 1947 heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 28. April.

(Eine ausführliche Biographie hat geschrieben: Hildegard Waach: Grignion von Montfort, Franz-Sales-Verlag, Eichstätt).

Saint-Laurent sur Sevre - mit der Basilika St. Ludwig Maria; Hier befindet sich das Grab des hl. Montfort.

Geburtshaus in Montfort